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Was ist Capoeira?
Die Capoeira, auch afrobrasilianischer Kampftanz genannt,
hat ihren Ursprung im Widerstand der afrikanischen Sklaven gegen
Plantagenbesitzer in Brasilien. Da diese Gefangenen unterschiedlichen
afrikanischen Ethnien angehörten, flossen verschiedene kulturelle Elemente in
die Capoeira ein. Man schätzt, dass bis zu 18 Millionen Afrikaner als Sklaven
nach Brasilien verschifft wurden.
Für den Begriff „Capoeira“ gibt es verschiedene
Übersetzungsmöglichkeiten, naheliegend ist aber „Wald“ oder „Buschland“, da
sich darin die ehemaligen Sklaven nach ihrer Befreiung versteckten und Capoeira
praktizierten. Sie errichteten Wehrdörfer, sogenannte Quilombos, in denen sie
sich gegen ihre Verfolger verteidigten. Alle schriftlichen Zeugnisse der
Sklaverei wurden nach deren Aufhebung 1891 verbrannt, sodass die Quellenlage
zur Ursprungszeit der Capoeira sehr schlecht ist. Capoeira wurde durch
mündliche Überlieferung tradiert, vor allem innerhalb der gesungenen Texte, die
bis auf die Zeit der Sklaverei zurückgehen. Alle Capoeira Lieder werden in
Portugiesisch gesungen, was für die Entstehung der Capoeira in Brasilien
spricht.
Musik ist ein zentraler Aspekt. Neben dem Musikbogen, dem
Berimbau, gibt es ebenfalls Pandeiros (Tambourine), Agogo (Kuhglocke) RecoReco
(Ratsche) und die Atabaque (Trommel), die abwechselnd von den Teilnehmern der Roda
gespielt werden. Auf diesen Instrumenten werden traditionelle Rhythmen
gespielt, begleitet durch den Gesang eines Vorsängers und der Antwort des
Chores. Die Roda, portugiesisch für Kreis, bezeichnet die Aufstellung der Capoeiristas.
Innerhalb dieses nach Möglichkeit geschlossenen Kreises spielen zwei Teilnehmer
miteinander. Die Bewegungen basieren dabei sowohl auf Tanz- als auch auf
Kampfsportelementen. Ein Angriff wird mit einer Verteidigung beantwortet, die
wiederum in einen Angriff übergehen kann. Dadurch entwickelt sich eine Art
Frage-Antwort-Spiel zwischen den Kontrahenten.
Eine Grundregel der Capoeira lautet, Verletzungen des
Gegenübers zu vermeiden. Der Sinn des Spiels besteht nicht darin, aggressiv
oder streitsüchtig auf den Mitspieler einzuwirken, sondern ruhig und taktisch
klug zu spielen und möglichst wenige „Lücken“ in der eigenen Deckung zu haben.
In der Capoeira geht es nicht darum, den Gegenüber zu besiegen, wie es
vielleicht in manchem Kampfsportarten der Fall ist. Es gilt möglichst lange
handlungsfähig zu bleiben, sich nicht aus der Fassung bringen zu lassen und den
Mitspieler in einem Moment der Unaufmerksamkeit zu überraschen. Diese Spieltaktik
wird in der Capoeira Angola „Malícia“ genannt, was soviel bedeutet wie
„List, Schläue, Tücke“. Darin zeigt sich die Bedeutung von Aufmerksamkeit, Konzentration, Taktik und
Geschicklichkeit, welche im Spiel gefordert und gefördert werden.
Capoeira Angola
Bei der Capoeira Angola handelt es sich um die
traditionelle Form des afrobrasilianischen Widerstandes. Sie beinhaltet
Körperausdruck in Form von Tanz, Musikalität in Form von Gesang und Percussion,
Kunsthandwerk und nicht zuletzt eine Lebensphilosophie.
Die ursprüngliche Form der Capoeira geht auf Mestre
Pastinha zurück. Capoeira Angola zeichnet sich aus durch tiefe fließende
Bewegung und verbindet unterschiedliche Elemente wie Kampfkunst und Tanz,
Spiritualität, Ritual und Spontanität, tödlichen Ernst und theatralisches
Spiel. Hauptelement ist die „Malicia“, die den Gegner in Sicherheit wiegt, so
dass ihn ein plötzlicher Angriff überrascht. Diese Form der Capoeira ist stärker
verbunden mit der Geschichte der Sklaven. Es liegt mehr Beachtung auf den
Liedtexten und deren Bedeutung. So gibt es mehr Rituale, wie dem Singen einer Ladainha,
dem Einzugslied, das oft von Begebenheiten in der Vergangenheit handelt. Der
ganzheitliche Aspekt steht in der Capoeira Angola im Vordergrund.
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